Das Wetter ist
unpolitisch
Für Politiker wird es schwerer, ein schlechtes
Wahlergebnis zu erklären. Dass das Wetter vom Urnengang
abhalte, können wir nicht gelten lassen.Nicht nur die Menschen im
bevölkerungsreichsten Bundesland erwarten den Ausgang
der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit Spannung.
Kann sich die CDU vom Spenden-Skandal befreien? Hat die
SPD die Trendwende wirklich geschafft? Doch aufgrund
immer präziserer Hochrechnungen dürfte es mit der
Spannung schon weni-ge Minuten nach dem Schließen der
Wahllokale vorbei sein. Dann folgt der zweite Höhepunkt
des Wahltages: Wie erklären die Politiker das
Abschneiden ihrer Partei?
Der eine erklärt das
Wahlvolk zur begriffsstutzigen Masse: Wir konnten
den Wählern unser Programm nicht vermitteln." Der
nächste sieht die Schuldigen weit entfernt: Wir
konnten uns nicht vom Bundestrend lösen." Und der
Dritte zieht in seiner Not den alten Klassiker aus der
rhetorischen Mottenkiste: Wegen des Wetters konnten
einige Wählergruppen nicht mobilisiert werden." Das
Argument dürfte schon kurz nach der Erfindung der
Demokratie entdeckt worden sein. Doch auch eine lange
Tradition macht es nicht wahrer. Das Donnerwetter-Team
hat die Wahlbeteiligung der vergangenen Landtagswahlen
mit dem Wetter am Wahlsonntag verglichen. Einen
Zusammenhang konnten wir dabei aber nicht feststellen.
| Datum |
Land |
Wetter |
Beteiligung |
| 27.02.2000 |
Schleswig-Holstein |
heiter bis
wolkig, 10-12 Grad |
70
% |
| 10.10.1999 |
Berlin |
Regen, 13 Grad |
66
% |
| 5.9.1999 |
Saarland |
Sonnenschein, 25
Grad |
69
% |
| 6.6.1999 |
Bremen |
Sonne &
Wolken, trocken, 19 Grad |
60
% |
| 7.2.1999 |
Hessen |
etwas Sonne,
viele Schneeschauer, 0-3 Grad |
66
% |
| 13.9.1998 |
Bayern |
Regen, Sonne im
Wechsel, 10 Grad |
70
% |
| 1.3.1998 |
Niedersachsen |
Regenwetter, 4
Grad |
74
% |
| 21.9.1997 |
Hamburg |
bedeckt, trocken,
12 Grad |
69
% |
| 14.5.1995
|
NRW |
Schauer, etwas
Sonne, 10 Grad |
64
% |
Während
zum Beispiel in Bremen sonnige 19 Grad zur Wahlurne
lockten, wollten nur 60 Prozent der Wahlberechtigten
über ihre Volksvertreter entscheiden. Dagegen stimmten
in Niedersachsen 74 Prozent über Gerhard Schröder ab,
obwohl das Wetter regnerisch-kalt war. Doch auch ein
grauer Himmel sorgt nicht automatisch für eine
Spitzenquote: An einem vergleichweise kalten und
durchwachsenen" Mai-Tag traten vor fünf
Jahren nur 64 Prozent in Nordrhein-Westfalen den Gang zur
Urne an.
Nun dürfte es am Sonntag
spannend werden, wie die Volksvertretern diesmal die
Erklärungsnot meistern...
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